| >>> Eine Gipfelrundschau um das 'Bayerische Meran' von Rudi Simeth |
Herausragende Gipfel und Felsen am Westrand der Further Senke Das Gleißenberger Tal ist eine nordwestliche Ausbuchtung der Further Senke. Es ist hufeisenförmig von einer bis zu 500 Meter aus dem Tal aufragenden Bergkette umgeben. Durch die Talöffnung nach Süden von der Sonne verwöhnt und im Nordosten abgeschirmt vom frischen Böhmischen Wind, wird es auch gerne das 'Bayerische Meran' genannt. Die Berge im Westen und Norden grenzen den Bayerischen Wald vom Oberpfälzer Wald ab. Im Gleißenberger Tal wird noch die waldlerische Mundart gesprochen. Westlich von Roßhof und Hiener, aber auch im Ulrichsgrüner Tal 'pfalzlt' es schon. Gleißenberg liegt auf der Sonnenseite des Gibacht. In den weiten Wäldern zwischen Furth im Wald, Gleißenberg und Waldmünchen ragen viele oft leicht zugängliche und manchmal auch versteckte Felsformationen auf. Geschichte und Überlieferungen, aber auch geheimnisvolle Sagen ranken sich um diese herausragenden Steine und Felsgipfel. Als es noch keine genau vermessenen Grenzen und Landkarten gab, dienten diese markanten Felsen wohl auch als Wegweiser und Anhaltspunkte für den Grenzverlauf. Franz Thurner ist begeisterter Bergwachtler. Als Wanderweg-Spezialist stellt er uns zunächst die Gipfel und Felsen am Gibacht vor. Der Gibacht - Ein interessanter Wanderberg an der Glasstraße im Bayerischen Wald. Der Gibacht ist ein breit lagerndes Bergmassiv, das sich in Nord-Süd-Richtung vom Drei-Wappen-Felsen unmittelbar an der bayerisch-tschechischen Grenze über den Kreuzfelsen und das Reiseck bis hinunter in die Further Senke erstreckt. Zu erreichen ist der Gibacht über die Straßen von Waldmünchen und Furth im Wald, die zum Wanderparkplatz beim gleichnamigen Berggasthof Gibacht (845 m) führen. Ein etwa 5 km langer Rundwanderweg erschließt den gesamten Bergzug in einer Höhenlage von 845 m bis 938 m. Er beginnt links vom Gasthaus und führt in nördlicher Richtung durch leicht ansteigendes Gelände bis zum sogenannten Pfennig-Felsen (895 m). Dort ist an einem Felsen ein kleines bewegliches Türchen angebracht, hinter das die Wanderer Münzen einlegen in der Hoffnung, dass sie immer wieder gesund an diesen Ort zurückkehren. Von hier aus bietet sich eine herrliche Aussicht hinunter auf die Stadt Waldmünchen und das Ulrichsgrüner Tal, hinüber auf das hochgelegene Bergdorf Herzogau, weiter zum Schwarzwihrberg bei Rötz sowie auf den Frauenstein oberhalb von Tiefenbach. Nach dem Pfennigfelsen schleicht sich der Weg auf einem alten Schmugglersteig bis hin zur Landesgrenze und der Unterstellhütte beim Drei-Wappen-Felsen (901 m). In den Felsen sind von links die Wappen des Churfürstentums Bayern (CB), des Königreiches Böhmen (KB) und des Herzogtums Pfalz (HP) mit der Jahreszahl 1766 eingemeißelt und erinnern an die damalige Abmarkung der Grenze zwischen Bayern und Böhmen. Grundlage hierfür war der Grenzvertrag vom 3. März 1764, den die österreichische Kaiserin Maria Theresia (die damals zugleich böhmische Königin war und als solche handelte) und der bayerische Kurfürst Max III. Joseph abgeschlossen hatten und mit dem die jahrhundertelangen Streitigkeiten über den genauen Grenzverlauf unblutig beendet wurden. Vom Drei-Wappen-Felsen verläuft der Wanderweg auf der Kammlinie in südlicher Richtung allmählich ansteigend bis zu dem wuchtigen Kreuzfelsen, der mit 938 m die höchste Erhebung des Gibacht-Bergzuges darstellt. In den Plansammlungen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München befindet sich unter der Nr. 1089 eine kolorierte Federzeichnung aus dem Jahre 1581, die das bayerisch-pfälzische Grenzgebiet zeigt, wobei in der Mitte des Höhenzuges ganz deutlich ein aufstehender Felsen zu erkennen ist, der als das 'Staindl' beschrieben wird, dem heutigen Kreuzfelsen. Auf diesem Felsen hat die Bergwacht Furth im Wald im Jahre 1952 ein Gipfelkreuz errichtet. Seither liegt dort ein Gipfelbuch auf, in dem sich die Touristen gerne verewigen. Nach dem Kreuzfelsen geht es weiter, bis schließlich die südliche Dominante des Bergmassivs Gibacht erreicht wird, das Reiseck (902 m). Von dem dortigen gläsernen Gipfelkreuz, das im Jahre 2005 auf Initiative des Gibacht-Bergwirtes Ralph Wenzel errichtet wurde, öffnet sich ein wunderbares Panorama: der nahe Böhmerwald, die Berge des oberen Bayerischen Waldes, der Osser, der Hohe Bogen, der vom Großen Arber überragt wird, der Kaitersberg und der Haidstein, im Tal die Stadt Furth im Wald, umgeben von den Orten Arnschwang, Eschlkam und Neukirchen beim Heiligen Blut. ![]() Gläsernes Kreuz am Reiseck, ein beliebtes Fotomotiv am Gibacht Rundweg, von dort auch herrlicher Blick in den Hohenbogenwinkel. Nun wendet sich der Weg nach Westen und führt hinüber zu einem schroffen Felsrücken, dem Tannenriegel (910 m)zu. Von seinem höchsten Punkt geht der Blick über Gleißenberg und Lixenried bis hinaus in die Chamer Bucht, bei Sonnenuntergang ein faszinierendes Erlebnis. Nach diesem seelischen Atemholen erfolgt der Rückweg zum Berggasthof Gibacht, der zur abschließenden Einkehr und zur leiblichen Stärkung einlädt. ![]() Vom Tannenriegel grüßt eine Felspyramide mit gläsernen Symbolen der Weltreligionen ins Gleißenberger Tal. Der Tannenriegel ist durch ein weiteres Kunstwerk aus der Gedankenschmiede von Ralph Wenzel bereichert worden. Unter dem Motto von Menschen für Menschen grüßt eine Steinpyramide ins Gleißenberger Tal. Aufgeschlichtet aus von Bergfreunden gesammelten Steinen unterschiedlicher Bergregionen funkeln darin auch Glassteine mit Symbolen der Weltreligionen. Aus allen Richtungen ist der Gibacht über ein gut markiertes Wanderwegenetz erreichbar. Über den Fußgänger Grenzübergang am Dreiwappen besteht auch eine Verbindung zum Böhmischen Wanderwegenetz über die nördliche Fortsetzung des Höhenzuges vorbei an Fichtenfels und Langenfels bis zum Cerchov (1042 m). Sehr romantisch führt der Felsensteig teilweise über Trittstufen vom Reiseckbründl einen Felskamm entlang hoch zum Gläsernen Kreuz. ![]() Vom Reiseckbründl führt der Felsensteig zum Gläsernen Kreuz. Der wohl schönste Aufstieg auf den Gibacht. Neuerdings führen auch der nördliche Hauptwanderweg und der Premium Wanderweg Goldsteig über diese Trasse. Neuerdings wurde auch der nördliche Hauptwanderweg des Bayerischen Waldes über diese Trasse verlegt. Bergwachtler und Naturfreunde um Franz Thurner sorgen immer wieder dafür, dass diese Wege auch für Fernwanderer gut begehbar bleiben. Fernweh kommt auf bei den Gedanken, dass dieser Weg als Teilstück des Europäischen Fernwanderweges E 6 von der Ostsee bis zur Adria durchmarkiert ist. Der treppenartig bis zum Kühberg abfallende Bergkamm zwischen Furth im Wald im Osten und Gleißenberg im Westen wirkt oft als Wetterscheide. Auf dem Dachsriegel (826 m) wird oft ein übergroßes Gipfelkreuz vermutet. In Wirklichkeit ist es aber ein Antennenmast mit einer Wartungsplattform für verschiedene Mobilfunksender. Der Gipfelbereich mit seinen Felsriegel ist größtenteils eingezäunt. Das Gelände war früher eine Radarstation und wird jetzt vom Motorradclub Furth im Wald genutzt. Am Ostabhang außerhalb der Umzäunung thront die Dachsriegel Berghütte. Von der Terrasse der Eisenbahnerhüttn des ESV Furth im Wald war früher ein herrlicher Tiefblick auf Furth im Wald, den Hohenbogenwinkel und die Grenzberge. Nur in den Wintermonaten ist dieser Blick durch die Äste der dann entlaubten Bäume noch möglich. Südwestlich fällt dann das Gelände steil ab zum Bergdorf Lixenried. Geißriegel (746 m), Hansmichelriegel und Hollerberg sind ein wahres Felswanderparadies. Franz Thurner nennt es liebevoll das Lixenrieder Felsenmeer. ![]() Eintauchen ins Lixenrieder Felsenmeer - ein wahres Felswanderparadies um Gaisriegel, Hansmichelriegel und Hollerberg. Ähnlich dem Steinernen Meer am Dreisessel, nur dicht bewaldet. Wohl auch deshalb von Wanderern weitgehend unentdeckt, versteckt sich dort auch das Felsentor. Von oben kommend muss man unter einem großen Felsblock durchschlüpfen, bevor man sich zwischen zwei steil aufragenden Felsen wieder hinauszwängt. Wie ein riesiges Bollwerk gegen ein oft im Herbst anbrandendes Nebelmeer thront der Kirschbaumriegel (626 m) hoch über Haberseigen. Bis zu 35 m hohe, überhängende Felsen bilden eine natürliche Aussichtsplattform. (Siehe Bericht an anderer Stelle). ![]() Auf steiler, überhängender Felsklippe thront das Kreuz am Kirschbaumriegel. Von dort herrlicher Tiefblick auf Furth im Wald, Arnschwang und den Hohenbogenwinkel. Am Kühberg (497 m) versteckt sich ein längst verfallenes Silberbergwerk. Wie ein Schildkrötenpanzer stülpt sich steil abfallender Wald über den Ränkamer Ortsteil Kühberg. Wind- und wettergeschützt lädt dort das familiär geführte Hotel Waldesruh mit Campingplatz, Sonnenterrasse und Biergarten auch müde Wanderer zur Einkehr ein. Nördlich von Gleißenberg zieht sich vom Sattel Althütte bis zur Passhöhe Lengau 400 m über dem Tal ein Bergkamm. Dahinter fällt das Gelände steil ab ins Ulrichsgrüner Tal. Gleich oberhalb des kleinen Weilers Pucher steht ein haushoher einzelner Felsen neben einer kurzen Forststraße. Von den Einheimischen Houherer Stoa oder Einsiedlerfels genannt, soll dort vor langer Zeit ein Eremit auf dem Felsen gehaust haben. Christa Bartonizek, die Wirtin vom Bergstüberl und Musikantenstadel Althütte ist dort als Kind mit anderen Altersgenossen oft spielerisch auf von Älteren überlieferten Tritten und Griffen den Felsen hochgeklettert. Mitten in der ebenen Felsoberseite ist eine mannshohe rechteckige Vertiefung. Mit einem Dach aus Hanigln, gedeckt mit geschälten und getrockneten Rindenstücken könnte es eine geschützte Behausung für einen Einsiedler gewesen sein. Nicht geklärt ist, ob dieses Felsenversteck künstlich herausgehauen oder eine Laune der Natur ist. ![]() Hoch oben auf dem Einsiedlerfelsen soll einst ein Eremit seine einfache Behausung gehabt haben. Die Kinder von Althütte und Pucher spielten dort früher Verstecken. Westlich der Althütte steigt der Hüttenriegel flach aus dem Sattel des beliebten Wintersportzentrums vor allem für Langläufer. Alte Obstbäume und ein Bennessel überwuchertes Kellergewölbe erinnern daran, dass über der Hüttenhäng bis in die 50er Jahre der höchstgelegene Hof der Gemeinde Gleißenberg stand. Heute steht dort eine Forstdiensthütte. In südwestlicher Richtung strahlt von dort ein Felsriegel aus, der plötzlich steil abfällt. In der Hüttenhäng umrundet diesen Riegel besonders romantisch ein Jägersteig. Auf gut halbem Wege nach Herzogau, neuerdings auch von der Markierung des Premium Wanderweges Goldsteig gestreift, sieht sich der Wanderer plötzlich von einem steilen Auf und Ab auf schmalem Felsgrad herausgefordert. Der Klammerfels (848 m) ist erreicht. Noch dicht bewaldet, warten die Richtung Süden schroffen Felsabstürze noch auf die Befreiung von den dort absterbenden, teils gipfellosen Bäumen. Dann erinnern diese Felspartien noch mehr an das baumfreie Steinbühler Gesenke auf dem Kaitersberg. Auch der vom Waldmünchner Waldverein angeregte Aussichtsturm und das Gipfelkreuz warten auf freie Sicht weit über das Gleißenberger Tal hinaus. Vom Waldbuckel des Hoher Stein (824 m) fällt das Gelände steil ab gegen Lengau und Herzogau. Eine Schautafel am naturgeschichtlichen Waldlehrpfad erinnert noch an den 800 m hoch gelegenen Sonnhof. Die Besitzer trotzten hoch überm Tal den Unbilden der Witterung. Gegen einschneidende Maßnahmen der unduldsamen Staatsforstverwaltung zogen sie aber letztlich den Kürzeren. Ab der Lengau knickt dann der Bergkamm wie ein gebeugtes Knie nach Süden ab. Der Sauruck (706 m) ragt wie der Buckel einer borstigen Wildsau vom Lengauer Pass auf. Abgegrenzt von einer schmalen Einsattelung mit Waldwiese und Wildacker leiten die Buckel von Scheibe, Himmelberg und Hinterer Hiener (764 m) zum Sattel des oberen Roßhof über. Johann Plötz, vulgo Wonga Hans kennt alle Geschichten um den Roßhof und Hiener. Am Roßhof aufgewachsen und über 40 Jahre Forstwirt im weitläufigen Waldgebiet Prosdorfer Forst, kennt er das Gebiet wie seine Westentasche. Den Roßhof überragt ein Felsenkegel mit Gipfelkreuz um fast 100 m. Den Namen Kathlfelsen (751 m) weist zurück auf eine unglückliche Dienstmagd Katharina. Sie hatte wiederholt Tafelsilber vom Erholungsheim für Nazigrößen auf dem Roßhof gestohlen. Als die Sache aufflog, stürzte sie sich aus Scham und Angst vor den Folgen ihrer Vergehen vom steilen Felsen. Sie verletzte sich aber nur ordentlich am Hintern und blieb bewusstlos liegen. Heute ist von diesem Felsen ein schöner Ausblick über Geigant ins Schwarzachtal bis zum Schwarzwihrberg. Wer dann ohne Weg auf dem Kamm bleibt, kann mit etwas Glück eine geheimnisvolle Felsformation entdecken. Ein riesengroßer Hinkelstein ruht auf vier kleineren Steinen auf einer Felsplattform. Daneben steht ein weiterer kleinerer Hinkelstein. All dies schaut wie künstlich aufgeschlichtet auf. Stonehedge lässt grüßen. ![]() Geheimnisvoller Hinkelstein ruht auf kleineren Steinen. Eine Laune der Natur, oder künstlich geschaffen? Könnten Kultplatzforscher dies klären? Von diesem Felsgebilde strahlt nämlich ein fast alpiner Felsgrat östlich ins Tal ab. Im Tal genau gegenüber steigt der Burgstall steil aus dem Gleißenberger Tal. Am Vorderen Burgstall (627 m) ein Gipfelkreuz. Am Hinteren Burgstall (672 m) eine 'Schrazlhöhle'. Den Felsgrat im Prosdorfer Forst kreuzt an einer besonders romantischen Stelle auf 700 m ein im Jahre 1921 geschaffener Jägersteig. Gleich unterhalb ein steil aufragender Felsen mit Felsenkamin. Viele Kletterhaken zeugen davon, dass auf diesem Kathlstoa fleißig das Klettern geübt wird. Auch die Jugend der Further Bergwacht hat dort ihre Sommerausbildung mit Prüfung. Zurück auf dem Bergkamm nur 100 m von der Forststraße entfernt, die zuvor den Kathlfelsen umrundet, ein laut Karte namenloser Gipfel. Der im Volksmund genannte Arberblick (760 m) wurde letztes Jahr wieder freigeschnitten. Über steil abfallenden Fels ist wieder ein wunderschöner Panoramablick von der Althütte bis zum Großen Arber möglich. Tief unten grüßt der Kirchturm von Gleißenberg herauf und über die Dächer von Lixenried schweift der Blick über den Hohenbogenwinkel bis zum Doppelgipfel des Osser. ![]() Der Arberblick macht nach Freischneiden der Aussicht seinem Namen wieder alle Ehre. Der Vordere Hiener (780 m) ist der höchste Gipfel westlich des Gleißenberger Tales, jedoch ohne Aussicht. Südlich folgt dann der Hagenberg (740 m). Noch vor einigen Jahren grüßte aus allen Richtungen eine mächtige, alle anderen Baumwipfel überragende Buche ins Tal. Eine üppig wuchernde Fichtenpflanzung und das teilweise Absterben des Baumes lassen diesen vertrauten Anblick nun vermissen. Die Gipfelrunde um das Gleißenberger Tal ist damit beendet. Das gesamte Gebiet ist durch ein gut beschildertes Wanderwegenetz erschlossen. Viele gut ausgebaute Forststraßen und Waldwege laden auch unmarkiert zu Erkundungstouren ein. Vielleicht entdecken auch sie bei ihren Erkundungen oder beim Schwammerlgehen den ein oder anderen markanten Felsen neu. Empfohlene Wanderkarten: Fritsch Wanderkarte Naturpark Oberer Bayer. Wald - Böhmerwald Maßstab 1 : 50.000 - 11. Auflage mit UTM-Gitternetz für GPS. Fritsch Wanderkarten Waldmünchner Urlaubsland oder Furth im Wald Hohen-Bogen-Winkel im Maßstab 1 : 35.000. Und wer es ganz genau haben will: Topographische Karte 1 : 25.000 Nr. 6642 Waldmünchen des Bayerischen Landesvermessungsamtes München. |
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